Warum Menschen in der Wüste erfrieren

Und wie Du Dich davor schützt.

Die häufigste Todesursache in der Wüste

Wer an die Wüste denkt, denkt an extreme Trockenheit und Hitze. An erbarmungslosen Sonnenschein, ohne Schatten weit und breit. In der Wüste – jedenfalls in den Trockenheitswüsten, die unserem klassischen Bild einer Wüste entsprechen – herrschen extrem lebensfeindliche Temperaturen, die den unvorbereiteten Weltenbummler innerhalb weniger Stunden am Hitzetod sterben lassen.

Nur folgerichtig erscheint der Schluss, dass die häufigste Todesursache in der Wüste Hitzschlag oder Verdursten ist und sich also direkt auf die hohen Temperaturen zurückführen lässt.

Doch weit gefehlt: Die häufigste Todesursache in Trockenheitswüsten ist nicht der Hitzeschlag, sondern der Kältetod. Tod durch Erfrieren. In der Wüste. Ja, das geht und ist erschreckenderweise sogar ein sehr verbreitetes Phänomen. Wir erklären Dir, warum das so ist und was Du tun kannst, um Dich dagegen zu schützen.

Warum es in der Wüste extrem kalt werden kann

Tagesüber werden in der Wüste regelmässig Temperaturen von über 45 °C verzeichnet; nicht selten steigen die Spitzentemperaturen im Sommer sogar auf über 50 °C. Diese Hitze ergibt sich vielerorts daraus, dass Wüsten nah am Äquator liegen, wo die Sonne besonders stark ist. Aufgrund der Trockenheit gibt es zudem keine Vegetation, die kühlenden Schatten spenden und einen Teil der Hitze absorbieren könnte.

Kälteschutz in den wärmsten Gegenden der Welt. Ja, wir meinen das ernst.
Wüste unter der Milchstrasse

Doch die Hitze ist nicht nachhaltig. Sobald die Sonne am Horizont verschwindet, beginnt die Wüste sehr schnell auszukühlen. Das hat mehrere Gründe:

  • Der lockere Wüstensand speichert Wärme nur sehr schlecht. Weil sich zwischen den Sandkörnern Luft einlagert, die die Wärmeleitfähigkeit behindert, erwärmt sich Wüstensand tagsüber nur oberflächlich und gibt seine Wärme nachts daher sehr schnell ab.
  • Aufgrund der extremen Trockenheit ist die Luftfeuchtigkeit sehr niedrig. Trockene Luft speichert Wärme sehr schlecht und kühlt daher schneller ab als feuchte Luft.
  • Tagsüber heizt die Sonne den Boden auf. Sobald die Sonne untergeht, strahlt die Erde diese Wärme als Infrarotstrahlung direkt in den kalten Weltraum ab. In der Wüste bilden sich aufgrund extremer Temperaturen fast nie Wolken. Der Nachthimmel ist sternenklar. Dadurch fehlt eine schützende Decke, die die Wärme zurückhält. Sie entweicht fast ungehindert ins Weltall.
  • Schliesslich gibt es weder Vegetation noch Wasser, die die Wärme länger speichern könnten. Hinzukommen oftmals starke Winde, da es nur wenige natürliche Hindernisse gibt, die den Wind brechen oder blockieren können.

Aus diesen Gründen fallen die Temperaturen in der Wüste nachts innerhalb weniger Stunden oft um 20–30 °C, in den extremsten Gegenden sogar um bis zu 40 °C, von ihrem Tageshoch. Im Winter erreichen die nächtlichen Temperaturen häufig den Gefrierpunkt oder liegen nur knapp darüber. Ohne warme Kleidung droht dann der akute Kältetod.

Doch selbst im Sommer, bei dem sich die Temperaturen nachts auf ca. 15–25 °C einpendeln, ist der Kältetod nie weit entfernt.

Trotzt der Hitze – Das baktrische Kamel
Baktrisches Kamel

Warum Dein Körper Dich nicht mehr alleine schützen kann

Bei Kontakt mit extremer Hitze senkt unser Körper seine Wärmeproduktion sofort auf ein Minimum, um nicht zu überhitzen. Extreme Hitze stellt unseren Körper vor grosse Herausforderungen. Unsere Blutgefässe in der Haut weiten sich, weil unser Körper versucht, seine Temperatur durch Verdunstungskälte zu senken. Das Herz muss dadurch schneller pumpen, da durch die geweiteten Hautgefässe weniger Blut und Sauerstoff für die inneren Organe übrig bleiben. Das führt zu Erschöpfung, Schwindel und Müdigkeit. Hinzu kommt der hohe Flüssigkeitsverlust, den es zu kompensieren gilt. Kurzum: Unser Körper ist an den Grenzen seiner Belastbarkeit. Mit aller Kraft versucht er, einen tödlichen Hitzeschlag abzuwenden.

Ist er erfolgreich, droht die zweite Gefahr, mit der unser Körper nicht mehr rechnet: Die Kälte.

Während unser Körper sehr gut darin ist, bei Hitze seine Wärmeproduktion schnell herunterzufahren, kann er diesen Prozess nicht so einfach umkehren. Er braucht Zeit. Doch weil die Wüste so schnell auskühlt, hat er diese Zeit nicht. Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt. Ein gesunder, erholter Körper könnte sich bei Temperaturen von 15–25 °C gut selbst schützen.

Doch nach einem Tag bei über 45 °C ist Dein Körper stark geschwächt. Hinzu kommt der Wind, der Temperaturen von 15–25 °C eher wie 10 °C erscheinen lässt. Nach einiger Zeit setzt Zittern ein. Dadurch versucht der Körper sich selbst zu wärmen. Du kuschelst Dich zusammen, damit Du nicht so frierst, nur ganz kurz – und im Nichts döst Du vor Erschöpfung ein und wachst nie wieder auf. In der Nacht stirbst Du an Unterkühlung, ohne es zu merken.

Die Wüste Gobi – Das Zuhause des Baktrischen Kamels
Wüste Gobi bei Mondaufgang

So schützt Du Dich vor Hitze und Kälte in der Wüste

Aus diesen Gründen ist unsere Empfehlung für die Wüste gar nicht so anders als für das Hochgebirge. Aufgrund ihrer einzigartigen Fähigkeit, sowohl extrem hohen als auch sehr niedrigen Temperaturen standzuhalten, ist Kamelwolle für die Wüste die bessere Wahl.

1. Ein atmungsaktiver Baselayer und atmungsaktive Unterwäsche

Unser leichtes T-Shirt aus Kamelwolle isoliert Deinen Körper effektiv vor äusserer Hitze, leitet Schweiss und überschüssige Wärme schnell ab und reguliert Deine Temperatur durch die Freisetzung von Verdunstungskälte. Ausserdem schützt es Dich vor UV-Strahlung (LSF 40+) und unangenehmen Gerüchen. Als Unterwäsche eignen sich unsere Shorts und BHs aus Yakwolle. Diese regulieren die Feuchtigkeit effektiver als Kamelwolle, sodass ihre höhere Wärmeleistung auf der begrenzten Fläche, die Deine Haut bedeckt, nicht ins Gewicht fällt.

2. Ein luftiger, dünner Midlayer

Für Sonnenschutz und Luftzirkulation empfehlen wir einen luftigen, dünnen Midlayer, der Deinen Körper vor intensiver Sonnenstrahlung schützt und genügend Luft lässt, damit die von Deinem Baselayer nach aussen abgegebene Wärme zirkulieren kann. Ein leichtes Hemd aus 100% dünner Merinowolle, wie das unseres Partnerunternehmens, der Rocky Mountain Shirt Company, in einer hellen Farbe wie Weiss oder Beige ist hier ideal.

3. Die Aussenjacke im Rucksack: Eine warme Isolationsjacke

Einen Nässeschutz brauchst Du in der Wüste nicht. Deine Aussenjacke sollte stattdessen ein superwarmer Midlayer sein, der die Funktion einer wärmenden, nach aussen getragenen Isolationsjacke übernimmt. Diesen kannst Du nachts einfach überziehen und tagsüber bequem in Deinem Rucksack verstauen.

Für Frühjahr bis Herbst empfehlen wir unsere mittelschweren Cardigans und Half-Zips aus 100% Kamelwolle. Diese halten Dich in kalten Wüstennächten wohlig warm und schützen Dich zuverlässig vor Unterkühlung.

Im Winter packst Du auch in der Wüste besser warm und wählst unseren schweren Cardigan aus 100 % Yakwolle für effektiven Kälteschutz bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Denn behalte in Erinnerung: Durch die hohen Tagestemperaturen und den Windchill werden sich die 0 °C für Dich eher wie -10 °C anfühlen.

4. Mützen und Schals

An kühleren Nächten, in denen Dein Körper nicht mehr ausreichend Wärme produzieren kann, empfehlen wir je nach Temperatur und Kälteempfinden auch das Tragen einer leichten Mütze und eines leichten Schlauchschals, um Deinen Kopf und Hals vor Auskühlung durch Windchill zu schützen. Unsere leichten Beanies und Tube Scarves aus 100% Kamelwolle sind hierfür perfekt.

Im Winter kann es sogar erforderlich sein, eine sehr warme Mütze und einen warmen Schal zu tragen. Auch hierfür bist Du mit unserer schweren Beanie und unserem schweren Tube Scarf aus 100% Kamelwolle bestens ausgerüstet.

5. Sonstige Tipps

Auch eine einfache Rettungsdecke ist in Deinem Rucksack – selbst in der Wüste – nie verkehrt am Platz.

Achte zudem auf einen ausreichenden Sonnenschutz für den Kopf. Wir empfehlen einen Hut aus leichtem Biberfilz mit breiter Krempe, damit auch Dein Gesicht und Dein Genick vor der Sonne geschützt werden. Biberfilz blockt UV-Strahlen besser und isoliert gegen Hitze effektiver als Stroh.

Übrigens: Hitzschlag kommt in der Wüste als häufigste Todesursache auch nicht auf Rang 2. Nach dem Tod durch Erfrieren ist Ertrinken die zweithäufigste Todesursache in der Wüste. Denn regnet es doch einmal, kann das Wasser kaum versickern und sucht stattdessen in Sturzfluten seinen Weg durchs Tal.

Übernachte in der Wüste daher immer nur auf gut übersehbaren Höhenlagen und niemals in schmalen Tälern oder ausgetrockneten Flussläufen, auch wenn diese scheinbar Schutz vor dem eisigen Wind bieten. Behalte zudem unbedingt den Wetterbericht im Auge – auch in entfernten Regionen flussaufwärts.

Berggipfel im Abendlicht