Wie Dich Wolle vor Feuer schützt

Erfahre mehr über die selbstlöschenden und flammhemmenden Eigenschaften von Wolle.

Wie Feuer tötet

Wer sich schon einmal an einem heissen Topf verbrannt hat, kennt den Schmerz. Schon eine kleine Verbrennung kann quälend sein. Doch wenn Feuer grosse Hautflächen erfasst und bis in tieferliegende Gewebeschichten vordringt, wird aus einer schmerzhaften Verletzung innerhalb kürzester Zeit eine lebensbedrohliche Situation.

Bei grossflächigen Verbrennungen werden zahlreiche Blutgefässe und Gewebestrukturen beschädigt. Flüssigkeit tritt aus dem Gefässsystem in das umliegende Gewebe aus, während gleichzeitig über die zerstörte Haut grosse Mengen an Wasser verloren gehen. Das zirkulierende Blutvolumen nimmt ab, der Blutdruck fällt und die Organe werden schlechter durchblutet. Es kommt zum sogenannten Verbrennungsschock.

Gleichzeitig setzt der Körper grosse Mengen an Entzündungsmediatoren frei. Die Entzündungsreaktion kann sich im gesamten Organismus ausbreiten und weitere Organe schädigen. Besonders empfindlich reagieren die Nieren, deren Funktion bei schweren Verbrennungen bis hin zum Organversagen beeinträchtigt werden kann.

Durch vom Feuer beschädigte Haut kann der Körper seine Temperatur nicht mehr regulieren. Der Flüssigkeitsverlust entzieht dem Körper massiv Wärme. Gleichzeitig führt der grossflächige Flüssigkeitsverlust zu einem Schockzustand, der die Durchblutung und damit die körpereigene Wärmeproduktion einbrechen lässt, sodass eine schnelle Wiederherstellung des Wärmehaushalts unmöglich wird.

Bei grossflächigen Verbrennungen von 30 % oder mehr der Hautfläche droht deshalb bereits nach wenigen Minuten eine akute und lebensgefährliche Hyperthermie. Die Unterkühlung verstärkt den ohnehin bestehenden Verbrennungsschock massiv. Gleichzeitig funktioniert die Blutgerinnung nicht mehr richtig. Es kommt zu schweren, schwer stillbaren inneren und äusseren Blutungen. Am Ende dieser Kette steht oft der Herz-Kreislauf-Stillstand.

Ohne sofortige Gegenmassnahmen erfrieren Brandopfer somit sprichwörtlich oft innerhalb der ersten halben Stunde nach dem Erleiden der Verbrennungen. Nach der Hitze kommt die Kälte: Verbrennungen gehören deshalb zu den grausamsten Todesarten, die man sich vorstellen kann.

Gelingt es wie durch ein Wunder, einen Verletzten mit grossflächigen Brandverletzungen in den ersten Stunden stabil zu halten, droht eine weitere, tödliche Gefahr: Bakterien und Infektionen.

Die Haut ist unsere wichtigste Schutzbarriere gegen Keime. Fehlt sie grossflächig, können Bakterien ungehindert eindringen. Gerade in Gefechts- und Einsatzsituationen besteht oft nicht die Möglichkeit, grossflächige Brandwunden medizinisch zu reinigen und keimfrei zu verschliessen. Es drohen schwere Infektionen und eine lebensgefährliche Blutvergiftung – eine akute Sepsis ist die häufigste Todesursache bei schweren Verbrennungen.

Gelingt die Initierung der Behandlung nicht innerhalb der ersten Stunden nach Eintritt der Sepsis, ist oft ein Point of no Return erreicht: Die systemische Entzündung und das Organversagen sind so weit fortgeschritten, dass der Zustand trotz maximaler intensivmedizinischer Massnahmen irreversibel wird.

Damit wird deutlich, warum schwere Verbrennungen zu den komplexesten Verletzungen überhaupt gehören. Nicht nur verursachen sie unerträgliche Schmerzen, gegen die selbst stärkste Schmerzmittel wie Morphin oft machtlos sind. Ohne sofortige intensivmedizinische Massnahmen sind sie in den meisten Fällen tödlich.

Warum Kleidung aus Kunstfasern die Gefahr von lebensgefährlichen Brandwunden verstärkt

Besonders für Personengruppen wie Soldaten und Polizisten, die beruflich Flammen und Explosionen ausgesetzt sein können, ist ein wirksamer Flammschutz daher von entscheidender Bedeutung.

Doch statt das Risiko schwerer Brandverletzungen zu reduzieren, erhöht ein Grossteil der von uns getragenen Kleidung dieses Risiko massiv.

Denn moderne Kleidung wird heute häufig aus Polyamid oder Polyester gefertigt. Das gilt insbesondere für Funktionskleidung, die im Outdoor- und militärischen Bereich Verwendung findet.

Kunstfasern wie Polyamid und Polyester sind dabei gleich auf zwei Weisen tückisch: Durch ihre synthetische Natur fangen sie leichter Feuer als z.B. Wolle. Da sie aus Erdöl gefertigt sind, weisen sie eine hohe Energiedichte auf, die die Flamme nährt. Einmal in Brand geraten, kann das Feuer so schnell auf die gesamte Kleidung übergreifen.

Besonders gefährlich ist die Eigenschaft von Polyamid und Polyester, bei Hitze zu schmelzen und zu flüssigem Kunststoff zu werden. Der flüssige Kunststoff tropft ab und beschleunigt so die Brandausbreitung auf Stellen, die bisher nicht mit dem Feuer in Kontakt standen.

Wird die Kleidung direkt auf der Haut getragen, schmelzen Polyamid- und Polyesterfasern zu bis zu 260 °C heissem, flüssigem Kunststoff, der in direkten Kontakt mit Deiner Haut kommt, wo er augenblicklich sämtliche Hautschichten irreversibel zerstört und Verbrennungen 3. Grades versacht. Der heisse Kunststoff richtet noch mehr Schaden an: Im Gegensatz zu heissem Wasser perlt flüssiges Polyester oder Polyamid nicht ab. Es zieht sich bei Hitze zusammen und schmilzt zu einer zähen, klebrigen Masse, die mit Deiner Haut verklebt und darauf weiterbrennt. Dadurch frisst sich die Hitze noch tiefer in Dein Gewebe, sodass selbst Muskeln und Nerven potenziell durch den flüssigen Kunststoff geschädigt werden können.

Das verbrannte Plastik erschwert zudem die medizinische Wundreinigung und erhöht dadurch das Risiko einer Wundinfektion, die eine Sepsis auslösen kann.

Eine besonders grosse Gefahr geht von Mischgeweben aus Baumwolle auf der einen und Polyester oder Polyamid auf der anderen Seite aus. Unbehandelte Baumwolle ist besonders leicht entflammbar und ermöglicht eine schnelle Ausbreitung der Flammen, die die Kunstfasern innerhalb von Sekunden auf Deiner Haut schmelzen lassen und zu grossflächigen Verbrennungen 3. Grades führen können. Gerade ein solches synthetisches Mischgewebe wird aber standardmässig für viele Funktionshirts, unter anderem für das Tropenunterhemd der Bundeswehr, verwendet. Fängt es Feuer, können die Verletzungen lebensgefährlich sein.

Selbst Mischgewebe aus Wolle und Polyamid, wie sie etwa grosse Hersteller von Merino-Funktionskleidung anbieten, bieten keinen ausreichenden Flammschutz. Denn während der Wollanteil zwar für eine schwerere Entflammbarkeit sorgt, schmilzt das mit den Wollfasern verbundene Polyamid bei Hitzeexposition und kann durch Verkleben mit der Haut schwere Verbrennungen verursachen. Zudem glüht selbst ein Materialmix aus Polyamid und einem hohen Wollanteil nach dem Entfernen der Zündquelle noch mehrere Sekunden lang nach, wodurch zusätzliche Hitze auf Deinen Körper einwirkt.

Doch es gibt einen einfachen und effektiven Weg, Dich vor Brandverletzungen zu schützen: Funktionskleidung aus 100% reiner Wolle, wie wir sie aus Yak- und Kamelwolle herstellen.

Was unsere Wolle flammhemend macht

Wenn es um flexiblen, ganzjährigen Basisflammschutz geht, ist unsere Wolle im Vergleich zu Kunstfasern ein wahres Hochleistungsmaterial. Denn sie ist von Natur aus schwer entflammbar, flammhemmend und selbslöschend, ohne dabei an Tragekomfort, Atmungsaktivität und Temperaturregulierung einzubüssen. Dabei weist Wolle gleich mehrere Eigenschaften auf, die sie zu einer idealen Basisschicht gegen Flammen und Hitzeeinwirkung machen:

1. Extrem hohe Zündtemperatur

Die Zündtemperatur von Wolle liegt bei extrem hohen 570–600 °C. Dadurch fängt Wolle nur bei sehr hoher Hitzeeinwirkung Feuer. Sie unterscheidet sich damit von Materialien wie Baumwolle oder Polyamid, deren Zündtemperatur deutlich niedriger ist. Weil Wolle von Natur aus Feuchtigkeit bindet – sie kann bis zu 35% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen – und einen hohen Stickstoffgehalt aufweist, wird die Entzündung zusätzlich erschwert. In der Praxis bedeutet das, dass regelmässig nur eine direkte und konzentrierte Flamme Wolle zum Brennen bringen kann. Bevor die Wolle sich entzünden kann, muss das gebundene Wasser zunächst vollständig verdampfen – ein Prozess, der viel Energie erfordert. Im Falle einer Explosion oder bei Kontakt mit Brandmunition schützt Dich Wolle so davor, dass Deine Kleidung Feuer fängt.

2. Selbstlöschende Eigenschaften

Reine, unbehandelte Wolle besitzt selbstlöschende Eigenschaften. Das bedeutet: Fängt sie doch einmal Feuer, erlischt die Flamme meist von selbst, sobald die externe Zündquelle entfernt wird. Denn Wolle benötigt mit einer Sauerstoffkonzentration von 25–26% mehr Sauerstoff zur Verbrennung, als in unserer Atmosphäre mit ca. 21 % vorhanden ist. Die Flamme erstickt deshalb binnen Sekundenbruchteilen, nachdem die Zündquelle entfernt wurde, und brennt – anders als etwa Baumwolle, Polyester oder Polyamid – nicht einfach weiter. Entzündet sich Wolle also im Falle einer Explosion aufgrund der enormen Hitzeinwirkung, die etwa von einem IED ausgeht, stoppt das Feuer unmittelbar, nachdem der Feuerball abgeklungen ist, und Deine Kleidung brennt nicht einfach weiter. So lässt sich das Risiko gefährlicher Brandverletzungen infolge von Explosionen und Sprengsätzen minimieren (vorausgesetzt, Du bist von der Explosion weit genug entfernt, um nicht unmittelbar von deren Hitzeeinwirkung und Druckwelle getötet zu werden – so fair müssen wir sein).

3. Kein Schmelzen des Materials

Anders als Kunstfasern wie Polyamid oder Polyester schmilzt Wolle bei der Verbrennung nicht zu einer heissen Flüssigkeit, sondern verkohlt zu einem festen Material. Dadurch schützt Dich Wolle vor schweren, grossflächigen Brandverletzungen, die entstehen, wenn Kleidung aus Polyamid und Polyester unter Hitzeinwirkung zu flüssigem Plastik schmilzt und auf Deiner Haut weiterbrennt. Weil Wolle bei Hitze nicht schmilzt, kann es auch nicht zu einem Abtropfen von heissem, brennendem Material auf andere Stellen Deiner Kleidung kommen. Eine schnelle Ausbreitung des Feuers wird dadurch verhindert. Ausserdem sorgt Wolle im Zweifel dafür, dass ein sauberes Wundbild entsteht, wodurch mehr gesundes Gewebe erhalten werden kann und das Risiko für Wundinfektionen verringert wird.

4. Wolle bildet bei Kontakt mit Feuer ein isolierendes Schutzschild gegen Hitze

Vielleicht die faszinierendste Eigenschaft von Wolle ist, wie sie sich bei Kontakt mit Feuer verhält. Anders als Kunstfasern schmilzt sie nicht etwa, sondern verkohlt zu einem festen Material: Wenn Wolle durch eine externe Flamme erhitzt wird, quillt ihre Zellstruktur auf und bildet eine dicke, verkohlte Schicht, die erstaunlich dicht und fest ist. Die Wolle bildet auf diese Weise ein natürliches Hitzeschild: Die verkohlte Oberfläche verhindert nicht nur ein Weiterbrennen an der Oberfläche, sondern auch das Übergreifen des Feuers auf tiefere Wollschichten. Gleichzeitig wirkt die verkohlte Oberfläche als Isolationsschicht gegen extreme Hitze, die Dein Kleidungsstück aus Yak- und Kamelwolle oft nicht oder nur in geringem Masse durchdringen kann – so schützt sie Deinen Körper vor Hitzexposition und verringert das Risiko von Verbrennungen an Deiner Haut.

5. Mehr Material, mehr Flammhemmung und Isolation

Gegenüber den meisten Funktionsbekleidungen aus Merinowolle spielt unsere Funktionskleidung aus Yak- und Kamelwolle noch einmal zwei Klassen höher: Zum einen besteht sie aus 100% reiner Yak- und Kamelwolle. Dadurch eliminieren wir die gefährlichen Eigenschaften von Polyamid aus der Gleichung und bieten Dir 100% natürlichen Flammschutz. Ausserdem verwenden wir in allen unseren Produkten einen dichten, schweren Strick, der aufgrund der hohlen Faserstruktur aber nicht weniger, sondern sogar noch mehr Atmungsaktivität als ein leichter Merino-Jersey bietet. Unser stärkeres Material kann einer Flamme oder Hitzequelle viel länger standhalten als ein ultradünner Merino-Jersey, in den sich oft schon nach wenigen Sekunden ein Loch einbrennt, das Deine Haut exponiert. So schützt Dich unsere Funktionskleidung effektiver vor offenem Feuer und wirkt als extrastarke Isolationsschicht gegen extreme Hitze. Weil die Hohlfasern in unserer Funktionskleidung Feuchtigkeit effektiv ableiten, reduziert sie zudem das Risiko, dass gespeicherte Nässe bei Hitzeeinwirkung schlagartig verdampft und auf Deiner Haut zu schweren Verbrühungen durch heissen Wasserdampf führt – damit eignet sie sich auch hervorragend als Baselayer unter spezieller, zertifizierter Feuerschutzkleidung.

Diese Eigenschaften machen unsere Funktionskleidung aus Yak- und Kamelwolle zu einem idealen Basis-Flammschutz für den täglichen Einsatz beim Militär und bei der Polizei, der flammhemmende Eigenschaften mit maximalem Tragekomfort und kompromissloser Performance im Gelände vereint.

Sicherheitshinweis: Obwohl unsere Funktionskleidung aus Yak- und Kamelwolle natürlich flammhemmend, selbstlöschend und äusserst hitzebeständig ist, ist sie nicht vollständig feuerfest. Für Berufsgruppen mit direkter Hitze- und/oder Feuerexposition, wie Feuerwehrleute oder Besatzungen von Schützenpanzern, kann sie eine feuerfeste Aussen- und/oder Innenschicht aus (aluminiumbedämpftem) Aramid daher nicht ersetzen.

Berggipfel im Abendlicht